Zurück zur Hauptseite

Probetext: Dino Warner, Die Brille wegtrainieren, Ausgabe 2005, Taschenbuch 335 Seiten, Verlag Grundlagen und Praxis, ISBN 3-937268-11-1, Euro 16,-

Inhaltsverzeichnis des Buchs:

1. Vorwort zur Erstausgabe
1.1 Vorwort zur erweiterten Ausgabe 2005

2. Theorie
2.1 Erfahrungen anderer und Literatur
2.2 Arten der Fehlsichtigkeit
2.3 Messung der Sehschärfe
2.4 Tiefenschärfeeffekt
2.5 Wahrscheinliche Ursachen schlechten Sehens
2.6 Mögliche Trainingsansätze

3. Überlegungen vor dem Trainingsbeginn
3.1 Sinn, Nutzen und Zielsetzung Ihres Sehtrainings
3.2 Willenskraft und Motivation
3.3 Zeit- und Finanzbedarf und mögliche Hemmschwellen
3.4 Körperliche und seelische Voraussetzungen
3.5 Ärztlicher Rat, Nebenwirkungen und seltsame Effekte
3.6 Ernährung und Medikamente
3.7 Sonstige Fragen und Probleme

4. Trainingspraxis
4.1 Allgemeine Übungsregeln
4.2 Übungstafeln und andere Übungsgeräte
4.3 Bewegungsübungen für die Augen, Blinzeln, Mimik
4.4 Akkommodationsübungen
4.5 Wandernde Blicke und analytisches Betrachten
4.6 Autosuggestion und Biofeedback gegen Astigmatismus
4.7 Training an der Übungstafel
4.8 Berufliches Lesen und Lesetraining
4.9 Einäugiges Training
4.10 Fusionsübungen
4.11 Schwächere Brillen, Gegenbrillen und Rasterbrillen
4.12 Stresstraining
4.13 Nacken- und Rückenübungen
4.14 Aufrechterhaltung der Motivation
4.15 Übungen in den Alltag einbauen
4.16 Von mir kaum oder nicht angewandte Übungen
4.17 Trainingsplan und Trainingssystematik

5. Erfahrungsbericht
5.1 Leistungskontrolle und Fortschritte
5.2 Trainingstagebuch (gleichzeitig Übungstext)
5.3 Wenn ich es noch einmal machen müsste

6. Zum späteren Leistungserhalt

7. Anhang: Übungstafeln


1. Vorwort zur Erstausgabe

Zuerst die Kurzversion für alle diejenigen, die immer nur die erste und die letzte Seite eines Buchs lesen: Ja, die meisten Sehschwächen basieren zumindest teilweise nicht etwa auf wirklichen Krankheiten oder Fehlbildungen der Augen, sondern auf durch falsche Sehgewohnheiten geschwächten Augen.
Stellen Sie sich ein Kind vor, das Probleme beim Laufen hat. Anstatt mit ihm das Laufen besonders intensiv zu trainieren, wird es in einen Rollstuhl gesetzt. Und einige Jahre später kann es auch beim besten Willen tatsächlich nicht laufen. Zum einem, weil die entsprechenden Muskeln verkümmert sind, zum anderen, weil es glaubt, nicht laufen zu können und auch keinerlei Übung und Erfahrung damit hat.
Ganz ähnlich ist es mit Sehschwächen. Nur dass der Rollstuhl in diesem Fall Brille heißt. Und so wie man die meisten Laufschwächen wegtrainieren kann, so kann man auch die meisten Sehschwächen wegtrainieren oder zumindest erheblich lindern. Das vollständige Wegtrainieren einer jahrzehntelang getragenen starken Brille ist ein sehr hartes Stück Arbeit mit einigen nicht immer angenehmen Nebenwirkungen. Training bloß zum Vorbeugen gegen eine (weitere) Verschlechterung des Sehvermögens ist eine eher mühelose und interessante Spielerei. In diesem Buch werden Sie erfahren, wie man beides macht.

Und hier die ausführlichere Version für alle anderen, die gerne etwas tiefer ins Detail gehen:
"Fahren Sie Auto?" Die Gefährlichkeit dieser an sich harmlosen Frage war offensichtlich, denn es war meine Augenärztin, die da fragte. Mit möglichst unschuldiger Miene antwortete ich beiläufig: "Relativ selten; ich fahre lieber Fahrrad." Aber die prompte Antwort meiner Augenärztin war unerbittlich: "Wenn es mit Ihren Augen weiter so bergab geht, dann sind Sie beim nächsten Mal unter der Führerscheingrenze. Und auch heute sollten Sie schon einmal darüber nachdenken, ob Sie unbedingt noch Auto fahren müssen!"
Nun fahre ich tatsächlich eher wenig und auch ungern Auto. Aber die Aussicht, es regelrecht von Staats wegen verboten zu bekommen, die ließ mir von diesem Tag an keine Ruhe mehr. Und ich begann wirklich, darüber nachzudenken. Allerdings fand ich dann eine ganz andere Antwort, als meine Augenärztin erwartet hatte.
Ich war damals 41 Jahre alt, rundum gesund und ausgesprochen sportlich. Nur um mein Sehvermögen hatte ich mich nie gekümmert. Wegen Kurzsichtigkeit und Astigmatismus trug ich von Kindheit an ständig eine recht starke Brille, und die Brille war derart ein Teil meines Körpers geworden, dass ich mir nie irgendwelche näheren Gedanken darüber gemacht hätte. Mit 35 Jahren begann ich, am PC zu arbeiten, und schnell wurde er mein Hauptarbeitsgerät. Ich schreibe beruflich hauptsächlich Computerprogramme und Handbücher dazu, und zudem vertrete ich meine Firma in allerlei juristischen Angelegenheiten. Alles Dinge, die man heutzutage fast komplett am Bildschirm erledigt. Und wenn ich ausnahmsweise mal nicht am PC arbeite, dann lese ich Fachliteratur oder treibe mich in Bibliotheken herum. Kurz: Mein Arbeitsleben besteht aus etwa 60 Stunden intensiver Augenarbeit pro Woche. Früher habe ich nur etwa alle 5 bis 10 Jahre eine stärkere Brille benötigt. Aber seitdem ich hauptsächlich am Computer arbeite, hat sich diese Zeitspanne drastisch auf 1 bis 2 Jahre verringert. Und schon einige Male hatten mich Leute als "der mit den dicken Brillengläsern" beschrieben. Bei meinem eingangs erwähnten letzten Besuch bei der Augenärztin war ich nun links bei -7,50 Dioptrien (Kurzsichtigkeit) und -1,50 (Astigmatismus) und rechts sogar bei -9,00 und -3,00 angekommen. Schlimmer noch: Trotz dieser beachtlichen Brillenstärke war mein Sehvermögen mit Brille auf 65% (Ferne 50%) gesunken. Meine Sehleistung ohne Brille lag sogar nur bei knapp 10% (Ferne 5%). Ich konnte mir leicht ausrechnen, wie es in den nächsten Jahren mit der Brillenstärke weiter aufwärts und meinem Sehvermögen weiter abwärts gehen würde, falls sich nichts ändern würde. Und es gab keinen Grund anzunehmen, dass sich von alleine etwas ändern würde. Es bestand also Handlungsbedarf. Die Frage war nur: Was tun?
Von dem Gedanken an eine jener neuartigen Operationen gegen Kurzsichtigkeit kam ich schnell wieder ab, denn dabei wird im Prinzip ja nur eine Brille vorne ins Auge eingesetzt. Damit würde ich vermutlich auch nicht wesentlich über die dürftige Sehleistung kommen, die ich jetzt mit meiner auf der Nase getragenen Brille erreichte (Fußnote). Und wenn sich meine Augen später weiter verschlechtern, dann hätte ich für den Rest meines Lebens eine falsche Brille fest in meinen Körper eingebaut. Das schien mir nicht der richtige Weg zu sein.
Ich hatte auch schon vage von Augentraining gehört und wusste, dass das eine umstrittene Sache war. Mir war auch klar, dass Augentraining entweder tatsächlich nutzlos oder doch zumindest eine harte Arbeit sein müsste. Denn wäre es eindeutig wirksam und auch noch einfach, dann würde nicht etwa jeder zweite Mitmensch mit einer Brille durchs Leben laufen. Aber gerade das reizte mich, denn ich habe so eine gewisse Neigung, Dingen auf den Grund zu gehen und mich dabei auch ganz gerne körperlich und geistig voll zu verausgaben. "Quälen" will ich hier ausdrücklich nicht sagen, denn dann würden viele von Ihnen spätestens jetzt dieses Buch wieder zuschlagen und für immer beiseite legen. Und eine Quälerei wurde es auch nicht. Wenn man erst einmal alle Tricks und Kniffe kennt, und in diesem Buch werden Sie sie kennen lernen, dann läuft das Sehtraining mehr auf eine sportliche Spielerei hinaus. Sie können das Training sogar so aufbauen, dass sich gut die Hälfte davon so ganz nebenbei beim Fernsehen erledigen lässt. Eine gewisse Ausdauer und Disziplin müssen Sie allerdings schon aufbringen!
Ich stürzte mich also in das Abenteuer Sehtraining. Literatur dazu fand sich erstaunlich schnell und eher überreichlich. Leider stellte sich ebenso schnell heraus, dass die vorhandene Literatur sehr widersprüchlich und zu großen Teilen unbrauchbar bis regelrecht absurd war. Ich musste mich also selbst forschend vorwärts tasten und würde sicherlich manche Zeit durch Irrwege verlieren. Da es für schnelle Erfolge des Sehtrainings zudem wichtig ist, die Brille ab sofort nur noch dann zu benutzen, wenn sie wirklich unentbehrlich ist, musste auch der Tagesablauf entsprechend umgestellt werden. Das Autofahren auf das absolut nötige Minimum zu reduzieren war in meinem Fall recht einfach, denn ich konnte es so einrichten, mindestens für die nächsten 12 Monate überwiegend in Darmstadt zu bleiben und fast ausschließlich zu Hause zu arbeiten. Alle Erledigungen ließen sich oft auf eine einzige Autotour pro Woche zusammenfassen. Ein großer Vorteil gegenüber allen, die sich täglich stundenlang durch dichten Verkehr quälen müssen und dabei natürlich keinesfalls sofort auf ihre Brille verzichten dürfen. Aber lange Zeit war es mir nicht möglich, meine häusliche Arbeit am Computer ohne die alte, starke Brille zu erledigen. Und das waren selten weniger als 50 Stunden pro Woche. Glücklicherweise konnte ich mir die Arbeitszeit wenigstens frei einteilen und Pausen mit Sehübungen ohne Brille machen. Sehtraining bedeutet also durchaus nicht automatisch Verzicht auf ernsthafte Arbeit, sondern in den meisten Fällen wird man es sich so einrichten können, neben einem vollwertigen Arbeits- und Privatleben erfolgreich trainieren zu können.
Natürlich war mein Training von zahlreichen Irrungen, Wirrungen und Rückschlägen begleitet. Alles Zeitverluste, die ich mir hätte ersparen können, wenn brauchbare Literatur verfügbar gewesen wäre. Trotz all dieser Probleme hatte sich mein Sehvermögen mit Brille dann aber schon nach wenigen Wochen ganz erheblich verbessert. Und nach 6 Monaten waren auch ohne Brille erstaunliche Fortschritte unübersehbar: Sah ich früher ohne Brille Autos aus 5 Metern Entfernung nur als farbige Klumpen, so konnte ich jetzt immer öfter aus 20 Meter Entfernung Autonummern erkennen und mit gestreckten Armen Zeitung lesen.
Dann musste ich plötzlich entdecken, dass ich fast nur noch mit dem linken Auge sah. Das rechte hatte beim Training nicht mitgezogen und war vom Körper allmählich stillgelegt worden. Von leichter Panik gegriffen trainierte ich in den folgenden 6 Monaten bevorzugt das rechte Auge. Währenddessen ließ das linke Auge wieder leicht nach, und die Koordination des beidäugigen Sehens kam immer mehr durcheinander. Obwohl mein rechtes Auge nunmehr erstaunlich leistungsfähig war, musste ich erkennen, dass es einen organischen Defekt hatte und der Körper, sobald ich ihm freie Wahl ließ, aus gutem Grund wieder das linke bevorzugen würde. Also trainierte ich wieder streng beidäugig. Aber das rechte Auge war nun so aktiviert, dass es sich bis heute immer wieder störend bemerkbar macht. Kurz: Der Versuch, meinem Körper vorzuschreiben, dass er mit beiden Augen gleich stark zu sehen hätte, hat mir schätzungsweise 1 bis 2 Jahre Zeitverlust gebracht. Dann entdeckte ich eine neue Trainingsmethode, und es ging plötzlich wieder steil aufwärts. Ja hätte ich doch früher ...
Nun ja, trotz immer wieder neuen Erkenntnissen, Fragen und Problemen liegt meine Sehleistung ohne Brille heute, nach 48 Monaten Sehtraining, während 90% des Tages über 30%, und an vielen Tagen kann ich mehrere Stunden lang eine Sehschärfe von rund 50% halten. Ab und zu, insbesondere bei Dunkelheit, Krankheit, Stress oder Erschöpfung, gibt es auch noch ausgesprochen schwache Momente. Aber es gibt auch Augenblicke extrem guten Sehens mit Sehleistungen gegen 200%. An sehr guten Tagen kann ich sogar mit einer Brille für Weitsichtige eine Zeitung mit gestreckten Armen lesen. Die Sehleistung in der Nähe ist weiterhin etwas besser als in der Ferne. Im Sommer sehe ich besser als im Winterhalbjahr. Heute trage ich nur noch beim Autofahren im dichten Verkehr und bei längerer, intensiver Arbeit am Computer eine Brille. Und obwohl die deutlich schwächer ist, sehe ich damit besser als früher.
Allerdings ist Scharfsehen ohne Brille für mich immer noch eine anstrengende Arbeit. Ich muss den Blick immer wieder bewusst scharf stellen, und nach einigen Stunden intensiver Augenarbeit lässt die Fähigkeit zum Scharfsehen nach. Das Bild, das ich sehe, ist auch oft noch etwas kontrastschwach, durch allerlei kleinere Flecken gestört und die Sehschärfe schwankt stark. Ich bin mir jedoch sicher, dass das keine neue Erscheinung ist. Früher habe ich solche Details einfach ignoriert, weil ich mich damit abgefunden hatte, dass meine Sehleistung trotz Brille eben sehr bescheiden war. Heute fällt mir dagegen aufgrund der intensiven und kritischen Beschäftigung mit meinem Sehvermögen jede kleinste Unregelmäßigkeit auf.
Ich werde mein Sehtraining weiter fortsetzen und bin zuversichtlich, in einigen Jahren noch weit besser zu sehen. Und müsste ich es mit meinen heutigen Erfahrungen nochmals mit dem Training beginnen, so würde ich sicherlich weniger Zeit benötigen.
Die wohl erstaunlichste Erfahrung während des Sehtrainings war aber, dass die Verbesserung der Sehfähigkeit nur zu einem Teil allmählich stattfindet. Daneben gibt es immer öfter Sprünge zwischen der alten Unschärfe und schärferem oder gar perfekt scharfem Sehen. Schon nach einigen Wochen Sehtraining erlebt man erstmals einen Sekundenbruchteil recht scharfen Sehens, um dann sogleich in die alte Unschärfe zurückzufallen. Zuerst hält man es für eine Sinnestäuschung, aber die Augenblicke mit schärferem Sehen kommen immer öfter und halten immer länger an. Irgendwann sind dann schon mehrmals hintereinander mehrere Minuten scharfen Sehens möglich, und gleichzeitig verbessert sich auch ganz allmählich die minimale Sehschärfe in den weniger scharfen Augenblicken dazwischen. Eines Tages kann man dann auch in diesen weniger scharfen Momenten mit gestreckten Armen Zeitung lesen, und in den Scharfsehphasen erkennt man auf Anhieb eine Autonummer aus 50 Meter Entfernung. Diese Schwankungen sind zwar einerseits sehr nervraubend, aber andererseits sind die scharfen Momente ein extrem motivierender Beweis dafür, dass die eigenen Augen im Prinzip voll funktionsfähig sind. Das Sehtraining wird deshalb bald mehr zu einem Ausdauertraining, bei dem es hauptsächlich darum geht, immer häufigere und immer längere Scharfsehphasen zu schaffen und schließlich dann mühelos einen ganzen Tag lang durchzuhalten.
Eine weitere erstaunliche Erkenntnis ist, dass die Steigerung der Sehleistung ohne Brille nicht gleichzeitig zu einem Rückgang der Sehleistung mit Brille führt. Im Gegenteil, Sehtraining steigert die Sehleistung allgemein: ohne Brille, mit Brille, und sogar mit ungewohnten Fremdbrillen. Gleichzeitig fördert es die allgemeine Beweglichkeit und Feuchtigkeit der Augen.
Natürlich werde ich auch versuchen, Theorien und Erklärungen zu all diesen Vorgängen zu bieten. Aber im Gegensatz zu anderen Büchern zu diesem Thema, von denen einige gleich im nächsten Kapitel vorgestellt werden, soll dieses Buch extrem praxisnah und damit gleichzeitig realistisch sein. Ich werde die einzelnen Übungen und alle während des Trainings auftretenden, teilweise recht seltsamen Effekte genau beschreiben. Theorien und Hintergründe sind dabei nur am Rande von Interesse. Insbesondere die in vielen Büchern üblichen genauen Beschreibungen der Augen, ihrer Funktionsweise, medizinische Schnittzeichnungen usw. werde ich Ihnen und mir ersparen. So werde ich z. B. immer vereinfachend nur von "Sehzellen" sprechen, obwohl wir alle noch aus der Schule wissen, dass man mindestens zwischen "Sehstäbchen" und "Sehzapfen" unterscheiden kann. Wie uns aber jeder "Wilde im Urwald" zeigt, kann man auch ohne dieses Detailwissen hervorragend sehen, und deshalb werde ich so weit wie möglich auf solchen Ballast verzichten. Es soll hier nur darum gehen, so schnell und so effektiv wie möglich das Sehvermögen zu trainieren, um ohne Brille wieder scharf bzw. mit Brille noch schärfer zu sehen.
Und noch einige Randbemerkungen zu diesem Buch: Ich habe lange gegrübelt, ob ich von "Augentraining" oder "Sehtraining" sprechen soll. Letzteres ist ein etwas breiterer Begriff, der auch zum Ausdruck bringt, dass Sehen nicht nur Sache der Augen allein ist. Andererseits hat mein eigene Erfahrung gezeigt, dass das Training dann am erfolgreichsten ist, wenn der Schwerpunkt doch bei den Augen und nicht bei irgendwelchem psychologischen Drumherum oder sogenannten "Ganzheitsmethoden" liegt. Mithin kann man beide Begriffe nebeneinander benutzen.
Dieses Buch ist sehr lang geworden. Viele eigentlich interessierte Verlage haben es deshalb mit Grausen abgelehnt. Aber wer sich nur kurz in das Thema einlesen will, der braucht es ja nicht in aller Ausführlichkeit zu lesen. Wer dagegen tatsächlich eine starke Brille wegtrainieren will, der wird sich einige Jahre lang intensiv mit dem Thema beschäftigen müssen, und unter diesem Gesichtspunkt kann das Buch nicht ausführlich genug sein. Deshalb werde ich das Buch auch ständig im Internet aktualisieren.
Dieses Buch ist bewusst auch etwas ungewöhnlich gestaltet. Schrift und Satzspiegel sind eher größer als gewöhnlich, ein langes Kapitel ist in verschiedenen Schriftgrößen und -typen gedruckt, und auch auf den Übungstafeln sind scheinbar einige Fehler. All dies ist Absicht, denn der typische Leser wird einerseits Sehschwächen haben, und andererseits sollen Teile des Buches gleichzeitig als Übungstexte für ausgeklügelte Sehübungen ohne Brille dienen. Leider konnte ich nicht alle meine Wünsche verwirklichen. Gerne hätte ich die Hauptkapitel in noch größerer Schrift mit besonders großem Zeilenabstand gesehen. Dazu große, ausfaltbare Übungstafeln, und zwar am besten jeweils gleich doppelt oder gar dreifach, weil sie bei häufigem Gebrauch ja leider so schnell zerfleddern und verschmutzen. Und hinten im Buch dann eine große Tasche mit allerlei kleinen aber nützlichen Trainingsgerätschaften, und dazu eine Videokassette, und, und ... Aber das wäre dann leider kein preiswertes Taschenbuch mehr geworden. Man muss eben überall Kompromisse machen.
Wichtiger Hinweis: Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass weder der Autor noch der Verlag Garantien für Erfolg oder Haftung für Schäden des Sehtrainings übernehmen können. Ganz wichtig: Begeben Sie sich keinesfalls ohne Brille in gefährliche Situationen, solange Sie ihr Sehtraining nicht erfolgreich abgeschlossen haben. Und denken Sie auch daran, bei einem harten, langfristigen Sehtraining ab und zu einen Augenarzt zwecks Routineuntersuchung aufzusuchen.

Fußnote: Später erfuhr ich, dass man durch eine Laser-Operation der Hornhaut durchaus eine höhere Sehleistung als durch Benutzung einer normalen Brille erreichen kann. Das hängt mit der computergesteuerten, exakten Anpassung an das jeweilige Auge zusammen. Die Hornhaut ist bei praktisch niemanden wirklich gleichmäßig, sondern an jeder Stelle etwas anders und deshalb müsste auch für jede Stelle eine andere Korrektur erfolgen. Brillengläser sind jedoch gleichmäßig, also z.B. für eine Stelle der Hornhaut "zu schwach" und für eine andere Stelle direkt daneben schon wieder "zu stark". Bei einer computergesteuerten Laserkorrektur der Hornhaut kann die Korrektur dagegen besser an den Bedarf jeder einzelnen Stellen angepasst werden, so dass eine bessere Sehleistung möglich ist. An den Problemen und noch offenen Fragen zur Langzeitwirkung einer Laserkorrektur ändert dies jedoch leider nichts.



1.1 Vorwort zur erweiterten Ausgabe 2005

Seit Beginn meines Sehtrainings sind nunmehr 9 Jahre vergangen. Meine Sehleistung hat sich enorm verbessert und verbessert sich weiterhin. Sehr gut waren die Fortschritte bei entspannten Freizeitbeschäftigungen wie Bobachtung der Umgebung beim Sitzen im Garten oder TV-Schauen. Bei ernsthaften, stressträchtigen Arbeiten und insbesondere beim Arbeiten am PC ging es dagegen langsamer voran und ich bin immer noch deutlich von meinem Ziel entfernt. So viel als erste Kurzübersicht.
Fast interessanter als die Fortschritte sind allerdings die vielen Merkwürdigkeiten, Probleme und anderen Details, mit denen ich in den letzten Jahren konfrontiert wurde. Die wohl ernüchternste Erkenntnis ist die, dass es nach den schnellen Anfangserfolgen dann immer langsamer voran geht als erhofft und in manchen anderen Büchern behauptet. Meine Vorstellung, es in einem Jahr zu schaffen, muss ich rückblickend als geradezu naiv bezeichnen. Selbst wenn man in Rechnung bezieht, dass meine Sehleistung zu Beginn des Trainings überdurchschnittlich schlecht war, dass ich viel Zeit durch Experimentieren verloren habe, sowie dass ich aufgrund meines Alters (ich bin inzwischen über 50) gewissermaßen auch einen Wettlauf gegen das Alter und seine leider unvermeidlichen Folgen führe, auch dann bleibt die Erkenntnis, dass man mit Jahren rechnen muss. Dies sollte aber nicht abschrecken, sondern zu der Schlussfolgerung führen, möglichst früh mit Sehtraining zu beginnen. Je früher man anfängt, desto weniger schwach ist die Ausgangslage (Sehleistung zu Beginn), desto mehr Zeit hat man, und ein junger Körper und Geist ist weit einfacher und wirksamer durch Training zu beeinflussen.
Und auch zum anderen Ende des Trainings habe ich eine Erkenntnis gewonnen. Nämlich die, dass wir, die wir nun einmal eine gewisse natürliche Sehschwäche haben, nie an ein Ende in dem Sinne kommen, dass wir das Training einfach beenden und vergessen können und für den Rest des Lebens dann mühelos automatisch dauerhaft perfekt sehen. Eine gewisses Mindesttraining, das man aber teilweise in Alltagsarbeiten einbauen kann, und die disziplinierte Einhaltung der im Training gelernten richtigen Sehgewohnheiten muss dauerhaft beibehalten bleiben. Sonst kann man binnen Wochen böse Rückschläge erleben.
Inzwischen habe ich auch begriffen, dass sich das Sehtraining in mindestens zwei sehr unterschiedliche Phasen unterteilen lässt. Viele Misserfolge und Enttäuschungen beim Sehtraining dürften auf falschen Erwartungen beruhen, die aus der Unkenntnis dieser beiden Phasen entstanden sind.

Phase 1 umfasst die ersten Wochen bis Monate nach (erstmaligem) Trainingsbeginn. Man erlebt unerwartet schnelle Verbesserungen des Sehens ohne, aber auch mit Brille. Euphorie bricht aus und man erwartet, dass es in diesem Tempo weitergeht. Geht es dann aber nicht. Dieser Leistungssprung zu Anfang beruht nach meiner Erkenntnis zu einem großen Teil einfach darauf, dass man mit Trainingsbeginn so oft wie möglich auf die Benutzung der gewohnten Brille verzichtet. Der Übergang vom Dauerbrillenträger zum Gelegenheitsbrillenträger bewirkt tatsächlich eine sprunghafte Besserung innerhalb kurzer Zeit. Hinzu kommen die neu gelernten und angewandten Erkenntnisse über richtige Sehgewohnheiten, das bewusstere Beobachten der Umgebung und Bemühen um Entspannung sowie die ersten Erfolge des körperlichen Augentrainings. Alles zusammen bewirkt, dass der bisher vorhandene Sehfehler innerhalb kurzer Zeit deutlich vermindert wird. Ich schätze je nach Fall um 10% bis 50%. Bei sehr geringen Sehfehlern bzw. im Anfangsstadium einer Fehlsichtigkeit mag das sogar ausreichen, um nahezu perfektes Sehen zu erreichen.

Phase 2 beginnt dann mit einer Ernüchterung. Man ist scheinbar an einer Wand angelangt, hinter der es keine weiteren Fortschritte gibt. Das führt bei vielen Sehtrainierenden zur Aufgabe. Oft sogar zur Aufgabe der bereits gelernten richtigen Sehgewohnheiten und damit zum Rückfall nahezu auf das Ausgangsniveau.
In Wirklichkeit geht es auch in Phase 2 sehr wohl mit der Sehleistung weiter aufwärts. Aber quälend langsam und deshalb fast unmerklich. Die in den guten Momenten erreichbare Spitzensehleistung steigert sich nicht mehr. Stattdessen treten diese guten Phasen ganz allmählich häufiger auf und werden länger und die Rückfälle und schwachen Phasen werden ebenso allmählich seltener und weniger schwach. Aber diese winzigen Detailbesserungen erfolgen so langsam, dass man immer wieder am weiteren Erfolg des Sehtrainings zweifelt und unzufrieden wird. Außerdem hält man das zu Beginn des Trainings durchgehaltene Trainingspensum und Trainingsdisziplin meist doch nicht dauerhaft durch und ertappt sich immer wieder dabei, tage- oder gar wochenlang nicht ernsthaft trainiert zu haben und die neuen Sehgewohnten zu vernachlässigen.
In der Euphorie von Phase 1 hat man sich hoffnungsvoll an den sehr seltenen und nur kurzfristig erreichten Höchstleistungen motiviert. In Phase 2 ist es offensichtlich genau anders herum: Man hat sich daran gewöhnt, ab und zu gut zu sehen und beurteilt das eigene Sehvermögen nun überwiegend an der niedrigsten Sehleistung in den Schwächephasen. Und stressbedingte oder völlig unerklärliche Schwächephasen, in denen die Sehleistung ganz extrem in den Keller geht, die gibt es leider auch im fortgeschrittenen Trainingsstadium nicht zu selten. Dadurch wird man sich immer wieder seiner Schwäche bewusst, wird unsicher und unzufrieden.
Und ein weiteres störendes Detail kommt nun hinzu: Meine wohl logische Erwartung bei Beginn des Sehtrainings war, dass mit Trainingsfortschritt die starken Korrekturbrillen allmählich zu stark würden und sich gleichzeitig das Sehen mit schwächern Brillen immer weiter verbessern würde bis schlussendlich das Sehen ganz ohne Brille am besten und angenehmsten wäre. Tatsächlich war es in Phase 1 aber so, dass sich meine Sehleistung mit und ohne Brille verbesserte. Ich konnte plötzlich auch problemlos zwischen recht verschiedenen Korrekturbrillen wechseln und bei praktisch allen Varianten eine eindeutige Verbesserung des Sehens und der Verstellbarkeit meiner Augen feststellen. Das kam unerwartet, war aber sehr angenehm und praktisch, und so gewöhnte ich mich bald daran.
Im fortgeschrittenen Trainingstadium kam es dann aber leider doch zu den befürchteten Problemen mit Korrekturbrillen. Es begann irgendwann fast unmerklich mit einem etwas unangenehmen Gefühl sowie geringfügig schlechterer Sehleistung bei Benutzung von Korrekturbrillen (schlechtere Sehleistung als bisher mit diesen Brillen gewohnt; nicht schlechter als ohne Brille) und beim Wechsel von „mit Brille“ auf „ohne Brille“ und umgekehrt. Diese Probleme verstärkten sich ganz allmählich und so gab es manchmal Situationen, in denen das Sehen mit Brille auf Dauer nicht mehr ausreichend scharf bzw. sehr unangenehm und das Sehen ohne Brille auch (noch) nicht dauerhaft ausreichend war.
Zusätzlich verwirrend war, dass die Probleme mit Brillen nicht wie erwartet bei der stärksten Brille am stärksten auftraten. Stattdessen war es so, dass die mit den schwächeren und mittleren Brillen erreichbare Sehschärfe eindeutig nachließ. Nur bei den stärkeren Brillen konnte ich keinen Rückgang feststellen. Ich empfand sie als sehr unangenehm, aber scharf. Das ist irgendwie unlogisch, aber das war bei weitem nicht die einzige scheinbar unlogische Beobachtung während des Sehtrainings.

Als ich bei der Arbeit an der hier vorliegenden erweiterten Buchausgabe mein Trainingstagebuch mit den Schilderungen des intensiven Trainings der ersten Jahre nochmals durchging wurde mir schlagartig bewusst, wie sehr ich nach der Euphorie der Anfangsjahre das Training zeitlich und qualitativ vernachlässigt hatte. Trainingseifer und -intensität in meinen eigenen alten Aufzeichnungen erschienen mir wie Berichte aus einer anderen Welt. Aus der neuen Beschäftigung mit den Details wuchs aber schnell erneuertes Interesse und neue Motivation. Ich fuhr meinen Trainingseinsatz wieder auf das frühere Niveau herauf und entwickelte sogar einige neue Übungen speziell für meine aktuellen Schwachpunkte wie der Arbeit am PC. Und tatsächlich, binnen Tagen erlebte ich eine sprunghafte Verbesserung meiner Sehleistung. Es besteht also eine sehr direkte Verbindung zwischen Trainingseinsatz und -erfolg. Ich glaube allerdings nicht, dass man mit extremen, pausenlosen Trainingseinsatz das Training in einem Zug bis zum perfekten Ende durchziehen kann. Einige längere Zwischenphasen mit Stagnation sind wohl immer unvermeidbar.
Die geschilderten Probleme beim Sehen mit Brille haben sich auch bei dem wieder intensivierten Training nicht wirklich gebessert. Sie scheinen ab einem gewissen Trainingsstadium einfach fällig und unvermeidlich zu sein. Sie nehmen dann mit erhöhtem Trainingseinsatz und -erfolg offenbar sogar zu statt ab.
Zusammenfassend ist also festzustellen, dass nach meinem aktuellen Erkenntnisstand Phase 2 wesentlich langwieriger und schwerer als Phase 1 ist und eine wirklich hartnäckig durchgehaltene Motivation erfordert. Nach grober Schätzung habe ich 50% des bisherigen Erfolgs meines Sehtrainings im ersten Jahr erreicht. Jahr 2 bis 9 brachten zusammen dann die anderen 50%. Jeder Interessent sollte dies vorher wissen und abwägen, ob Phase 2 für ihn von Persönlichkeit und beruflicher/privater Situation her infrage kommt. Phase 1 allein dagegen ist ein eher leichtes, spielerisches und abwechslungsreiches Erlebnis mit zwar begrenztem, aber schnellem Erfolg.

Ich habe bewusst versucht, mich vorerst nicht mehr mit Theorien über die Hintergründe des Sehtrainings zu beschäftigen. Denn sobald man eine Theorie hat, tendiert man dazu, bevorzugt Dinge zu beobachten, die dazu passen und Dinge zu übersehen, die nicht zur Theorie passen. Trotzdem gibt es einige Punkte, die man einfach nicht übersehen oder verdrängen kann. So wurde ich inzwischen oft gefragt, ob das durch Sehtraining erreichte bessere Sehen wirklich organisch bedingt ist (also durch irgendwie verbesserte Augenleistung), oder ob es nicht vielmehr eher so ist, dass das Gehirn lernt, unscharfe Bilder besser zu interpretieren, also die Bilder an sich weiterhin unscharf sind, aber durch eine Art "Software" im Gehirn nachbearbeitet werden und dadurch schärfer erscheinen. Ich kenne die Antwort nicht, sondern habe Hinweise auf beide Möglichkeiten beobachtet. Es scheint mir aber so, als wäre überwiegend tatsächlich eine verbesserte Augenleistung ursächlich.
Beim Lesen eines kleingedruckten Textes erlebe ich immer wieder, dass sich die Bildschärfe plötzlich wie von Geisterhand scharf stellt und ich sehr kleine, mir bisher völlig unbekannte Texte gestochen scharf sehe und problemlos lesen kann. Ebenso kann sich die Schärfe plötzlich zum Schlechten verstellen und ich erkenne dann absolut nichts mehr als grau-neblige Flecken. Nach meiner Meinung ist das ein starker Hinweis darauf, dass die Scharfstellung tatsächlich durch das Auge erfolgt. Denn reine Gehirnleistungen können nicht kurzfristig so extrem schwanken. Wer z.B. einmal Sprechen (vielleicht gar eine Fremdsprache) oder die Koordination der alltäglichen Bewegungen gelernt hat, der kann dies anschließend dauerhaft. Es kaum denkbar, dass er es in der einen Minute perfekt kann, in der nächsten Minute fast hilflos ist, und wenige Minuten danach wieder alles perfekt beherrscht. Solche Schwankungen sind dagegen typisch für rein körperliche Leistungen wie z.B. Training mit Hanteln. Da braucht man einfach Pausen, sonst geht nichts mehr.
Allerdings habe ich einige wenige Vorkommnisse beobachtet, die als Hinweis darauf zu deuten sind, dass es (auch) eine Art "Scharfstellung im Gehirn" gibt. So habe ich mehrfach erlebt, dass ich ein bestimmtes Beobachtungsobjekt wie z.B. das Nummernschild eines Autos zuerst nur unscharf erkennen konnte und sich das Bild erst nachdem das Schild schon längst aus meinen Blickfeld verschwunden war, vor meinem "geistigen Auge" schärfte und ich es erkennen konnte (einige Male konnte ich später nachprüfen, dass dieses "geistige Bild" tatsächlich mit dem echten Vorbild übereinstimmte). Außerdem habe ich mehrfach erlebt, dass ich beim Dösen (Halbschlaf mit geschlossenen Augen) Bilder sah, bei denen sich die Schärfe von scharf zu unscharf bzw. umgekehrt verstellte.
Derartige Vorfälle habe ich aber nur selten beobachtet und gehe deshalb davon aus, dass die Scharfstellung in den weitaus meisten Fällen tatsächlich durch die Augen erfolgt. Ich habe jedoch weiterhin keinen sicheren Beleg, was genau bei der "Augenarbeit" durch das Sehtraining verbessert wird. Allerdings gibt es einen starken Hinweis, den ich nicht übergehen kann. Ich sehe nämlich nicht immer einheitlich scharf, sondern das Bild besteht oft aus scharfen und weniger scharfen Teilen (Flecken, wie wenn man z.B. durch eine teilweise ölverschmierte Brille sehen würde). Schwenke ich den Kopf, so wandern diese Flecken entsprechend mit. Sie müssen ihre Ursache also in einer der vorderen Schichten der Augen haben, vermutlich in der Hornhaut. Dies würde bedeuten, dass eine Scharfstellung durch punktgenaue Verstellung der Hornhaut möglich ist. Die Flecken sind immer anders bzw. woanders; es kann sich deshalb nicht um feste Gegebenheiten in der Hornhaut handeln. Manchmal kann ich diese Flecken sogar irgendwie beiseite schieben (wenn ich den Blick schnell schwenke rutschen sie dann wieder ins Blickfeld). Das klingt ziemlich absurd und ich habe keine Erklärung und möchte aus den oben erklärten Gründen auch keine Theorie aufstellen, wie das funktionieren könnte. Aber ich beobachte den beschriebene Effekt so oft, dass da etwas in dieser Richtung existieren muss.

Fast alle nun folgenden Kapitel wurden um seit der Erstausgabe neu gewonnene Erkenntnisse ergänzt. In den meisten Fällen handelt es sich nur um relativ geringfügige Detailänderungen oder Ergänzungen. Nur in einigen wenigen Fällen habe sich Erkenntnisse aus der Erstauflage grundlegend geändert. So habe ich z.B. meine frühere, grundsätzliche Ablehnung von Sonnenbrillen aufgegeben und erkannt, dass sie in bestimmten Situationen auch beim Sehtraining nutzbringend eingesetzt werden können.



2.1 Erfahrungen anderer und Literatur

Ich hatte bereits früher vage von "Augentraining" und "Sehschulen" gehört, mich aber nie für Details interessiert, weil ich mir einfach nicht vorstellen konnte, dass so etwas Natürliches wie Sehen mit speziellen Tricks und Kniffen verbunden sein könnte, die man eben kennen muss, um erfolgreich zu trainieren. Nachdem ich mich diesmal unter dem Zwang der Umstände und insbesondere der drohenden Gefahr, bald nicht mehr Auto fahren zu dürfen, zu einem Sehtraining entschlossen hatte, ging ich sofort im Hau-Ruck-Verfahren ohne Vorkenntnisse zur Praxis über und wollte besseres Sehen durch konzentriertes Anstarren von Gegenständen und Schriften mit Pressen, Drücken, Kneifen der Augen und ähnlichen Gewaltmethoden erzwingen. Nach wenigen Tagen war auch mir klar, dass es so nicht funktionieren konnte. Was blieb, war der altbewährte Weg zu einer Bibliothek, um nach den Erfahrungen und Tipps anderer zu suchen.
In der Stadtbücherei Darmstadt, Abteilung "Medizin", Unterabteilung "Augenkrankheiten", fanden sich etwa 15 Bücher. Davon waren rund die Hälfte reine Fachbücher von Augenärzten und Optikern, die nichts mit Sehtraining zu tun hatten, oft sogar ausdrücklich dagegen Stellung bezogen, und die andere Hälfte war genau das Gegenteil: Bücher zum Thema Sehtraining, in denen ebenso ausdrücklich gegen die Schulweisheit der etablierten Augenärzte und Optiker gewettert wurde. Insgesamt also die denkbar breiteste Mischung aller möglichen Meinungen und damit für den ernsthaft interessierten Leser die Notwendigkeit, sich doch mühsam eine eigene Meinung und eigene Erfahrungen zu erarbeiten.
Fast alle Befürworter von Sehtraining, egal welche Theorien und Methoden sie im einzelnen verfechten, berufen sich auf den New Yorker Augenarzt Dr. William H. Bates, der hauptsächlich in den Jahren 1900 bis 1920 intensive Studien über die Ursachen von Fehlsichtigkeiten angestellt hat und als der Papst des Sehtrainings gilt. Sein Buch "Perfect Sight Without Glasses" ("Rechtes Sehen ohne Brille", deutsch beim Rohm Verlag in Bietigheim) gilt entsprechend bis heute als die Bibel des Fachgebiets. Allerdings handelt es sich dabei mehr um ein kritisches Fachbuch für Augenärzte als um eine einfache Trainingsanleitung für jedermann. Zudem sind viele Details naturgemäß nicht mehr dem heutigen Stand der Technik angepasst, denn z. B. von so etwas wie Fernseh- oder Computer-Bildschirmen konnte Bates damals natürlich noch nichts ahnen. Und ohne eine eigene Wertung vorzunehmen, muss ich auch anmerken, dass manche meiner eigenen Trainingserfahrungen nicht mit den Erfahrungen von Dr. Bates übereinstimmen. Trotzdem gebührt Bates höchster Respekt, weil er es wagte, seine eigene Existenz als Augenarzt aufs Spiel zu setzen, indem er jahrzehntelang hartnäckig als Einzelkämpfer gegen die herrschende Einheitsmeinung fast all seiner Kollegen neue Theorien entwickelte und teilweise auch bewies. Damit hat er den Stein "Sehtraining" ins Rollen gebracht; leider ist bis heute keine Lawine daraus geworden!
In der kritischen Literatur finden sich immer wieder Behauptungen, Dr. Bates sei ein verurteilter Betrüger, dem das Praktizieren verboten worden wäre. Nach meinem Wissensstand ist das so nicht ganz richtig. Der Leidensweg von Bates erinnert vielmehr an einen einsamem Erfinder, der von der übermächtigen Konkurrenz reihenweise mit teuren Prozessen überzogen wird, bis er wirtschaftlich ruiniert und wegen irgendwelcher Nebensächlichkeiten verurteilt ist, ohne dass je wirklich über den Wert seiner Erfindung entschieden wurde.
Als nächstes muss das Buch "The Art of Seeing" von Aldous Huxley genannt werden (deutsch "Die Kunst des Sehens" im Piper Verlag München). Der bekannte englische Schriftsteller litt selbst an so starker Fehlsichtigkeit, dass er zeitweise auf die Benutzung von Blindenschrift angewiesen war. Erst durch Sehtraining konnte er seine Sehprobleme deutlich mindern und lang Zeit nahezu normal arbeiten. Als typischer Intellektueller hinterfragte er den gesamten Themenkreis und schrieb dazu sein etwas philosophisch und langatmig angelegtes Buch. Kein reines Trainingslehrbuch, heute nicht mehr auf dem Stand der Zeit und eigentlich auch zu wenig detailliert, aber zeitlos und deshalb immer lesenswert.
Daneben gibt es eine Reihe neuerer Bücher zum Thema Sehtraining, und auch in Büchern zum Themenkreis "Gesünderes Arbeiten am Computer" findet sich praktisch immer mindestens ein Kapitel zu Sehübungen. Ich kann und will diese Bücher nicht alle vorstellen, sondern muss mich auf einige allgemeine Bemerkungen dazu beschränken:
Auffallend ist, dass es einen harten Kern von Übungen und Theorien gibt, der sich in fast jedem Buch zu diesem Thema findet. Wenn so viele Autoren nahezu deckungsgleich berichten, dann könnte das bedeuten, dass an der Sache etwas dran ist. Oder aber sie haben hemmungs- und kritiklos voneinander abgeschrieben. Leider deutet vieles auf letzteres hin. Auffallend viele Bücher sind etwa nach folgendem Schema zusammengesetzt: 1/3 von Bates, 1/3 von Huxley, Lücken und der Rest werden mit Vermutungen gefüllt. Und dabei wird nicht einmal direkt bei Bates und Huxley abgeschrieben, sondern bei anderen, die schon dort abgeschrieben haben. Das ist leicht erkennbar an einigen Details, die von Kopie zu Kopie falscher wiedergegeben werden und schließlich kaum noch etwas mit dem Original zu tun haben.
So werden Übungen beschrieben, die einfach nicht nachvollziehbar sind, jedenfalls nicht so, wie im Buch beschrieben. Da heißt es z. B. einerseits, es sei normal, dass man nach Schließen der Augen tiefes Schwarz sieht (wenn nicht, dann soll man es üben). Andererseits soll man die Augen schließen und sich dann minutenlang einen tiefschwarzen Punkt auf strahlend weißem Untergrund vorstellen. Klingt einfach und schreibt sich auch einfach, klappt aber ganz und gar nicht so einfach. Mit geschlossenen Augen sehe ich wirklich tief schwarz, soweit stimmt es also. Aber wie soll ich gedanklich aus diesem Tiefschwarz nun so einfach minutenlang strahlendes Weiß machen, als Hintergrund für die Vorstellung eines schwarzen Punktes? Ich konnte mir allerhöchstens für einige Sekunden ein kleines, mehr gräuliches als weißes Feld vorstellen, von dem sich der schwarze Punkt nur mühsam abhob. Dann verdunkelte sich wieder alles, und ich sah nur schwarz auf schwarz. Sicher, ich war stark fehlsichtig und hatte deshalb vielleicht etwas mehr Probleme als andere. Aber das Buch ist doch speziell für Fehlsichtige geschrieben, und da müsste der Autor sich schon die Mühe machen, genau zu beschreiben, mit welchen Tricks und Kniffen man das von ihm selbst als Normalzustand beschriebene Tiefschwarz in strahlendes Reinweiß umdenken kann. Ist es sinnvoll und ungefährlich, wenn man z. B. mittels Autosuggestion hartnäckig versucht, solches "Weißsehen" zu erreichen? Es könnte ja sein, dass man sich dann so daran gewöhnt, dass man in Zukunft mit geschlossenen Augen immer weiß sieht, obwohl der Autor selbst sagt, es wäre wichtig, vor den geschlossenen Augen tief schwarz zu sehen.
Dem einen oder anderen von Ihnen mag eine solche Kritik kleinlich erscheinen; vielleicht können Sie sich sogar auf Anhieb mit geschlossenen Augen minutenlang einen schwarzen Punkt auf leuchtendem Weiß vorstellen, obwohl Sie sonst normalerweise mit geschlossenen Augen nur tief schwarz sehen. Aber nicht jeder kann das, und von einem wirklich gutem Ratgeberbuch erwarte ich, dass es genau auf solche Schwierigkeiten eingeht und den Rat suchenden Leser nicht bei fast jeder Übung durch unvollständige oder gar widersprüchliche Beschreibungen ratlos bis wütend allein lässt. Der Autor schreibt doch gerade für Leser mit solchen und ähnlichen Problemen! Übrigens: Ich habe auch ohne diese und diverse andere schlecht beschriebene und deshalb nicht nachvollziehbare Übungen meine Sehkraft enorm verbessert. Die meisten dieser Übungen scheinen also ohnedies nutzlos oder jedenfalls nicht zwingend notwendig zu sein.
Einige Autoren schreiben fortlaufend von "verschwommenem Sehen". Früher hätte ich vermutlich auch so oder ähnlich geschrieben. Aber schon wenige Tage nach Beginn meines eigenen Sehtrainings wäre mir dieser Ausdruck viel zu ungenau gewesen, denn ich hatte mit Erstaunen bemerkt, wie viele Arten des unscharfen Sehens es gibt: Doppelbilder, Mehrfachbilder, tanzende Mehrfachbilder, Mehrfachbilder, von denen fortlaufend einzelne verschwinden und andere neu auftauchen, hellere oder dunklere Doppel- oder Vielfachkonturen nach einer Seite oder gleichzeitig nach mehreren Seiten, zu kontrastarme und vernebelte Bilder, Bilder, die unter dem Blick wegbleichen oder sonstwie verschwinden oder sich in Einzelteile auflösen, runde Ecken oder eckige Rundungen, zu große oder zu kleine Bilder, usw., usw. Sicherlich sind diese vielen seltsamen Effekte unterschiedlich, je nach Art und Stärke des Sehfehlers, Tageszeit, Beleuchtung und Stimmung, aber sie fallen jedem auf, der auch nur einige Tage ernsthaftes Sehtraining betreibt. Und sie sind auch ein wichtiger Orientierungspunkt bei der Kontrolle der Sehfortschritte. Einfach nur von "verschwommen Sehen" zu reden ist nutzloses Geschwätz, genauso wenig brauchbar wie Definitionen von der Art: "Diese Krankheit ist an der Bettlägrigkeit der Patienten zu erkennen". Hier drängt sich der Gedanke auf, dass der Autor entweder selbst nicht ausprobiert hat, wovon er schreibt, oder dass er ein unfähiger Beobachter und Beschreiber ist. Ich werde deshalb in diesem Buch entweder nur von scharf-unscharf reden oder versuchen, das jeweilige Sehproblem genau zu beschreiben.
In einigen Büchern findet sich leider eine zweistellige Anzahl solch nutzlos-oberflächlicher bis eindeutig falscher Beschreibungen. Eine Autorin behauptet einerseits, sie wäre selbst wegen starker Kurzsichtigkeit lange Zeit Brillenträgerin gewesen und hätte ihre Situation durch Sehtraining entscheidend verbessert, aber andererseits beschreibt sie die Symptome der Kurzsichtigkeit zwar schön formuliert, aber doch so auffallend falsch, wie sie wohl nur jemand beschreiben würde, der Kurzsichtigkeit nur vom Hörensagen kennt.
Da die typischen Leser eines solchen Buches fast immer selbst seit langem unter Sehproblemen leiden und deshalb durchaus etwas Ahnung von der Materie haben, bemerken sie spätestens nach einigen Tagen ernsthaften Sehtrainings, dass der Autor keine Sachkenntnis von dem hatte, wovon er schrieb, und dass er sich offenbar auch nicht einmal die Mühe gemacht hat, die eigenen Rezepte auszuprobieren. Was bleibt, ist Frustration, Erbitterung und leider oft Aufgabe des Sehtrainings nach wenigen Tagen, weil die ganze Sache zu unglaubwürdig wird.
Ein weiteres Ärgernis ist die Fülle der in einigen Büchern vorgeschlagenen Übungen, die oft nur noch als sektiererisch, absurd und sinnlos bezeichnet werden kann. Unter Begriffen wie: "Ganzheitliche Methode" wird dort fast alles angeboten, von Akupressur über Yoga bis hin zu bis Dingen, die ich nur noch als "Voodoo-Hokuspokus" bezeichnen kann. Etwa so nach der Methode: "Damit das Buch ein Bestseller wird, muss von allem etwas dabei sein". So finden sich krasseste Widersprüche; fast in allen Büchern wird einerseits das Meditieren oder Erholen in absoluter Dunkelheit als Wundermittel beschrieben, und in einem anderen Kapitel wird dann Meditieren bzw. Erholen in greller Sonne oder vor einer starken künstlichen Lichtquelle angepriesen. Als kritischer Leser wird man da doch stutzig. Abgesehen von der offensichtlichen Nutzlosigkeit vieler Übungen ist aber auch schon deren Anzahl ein Ärgernis, denn sie überlässt dem Trainierenden die Qual und Verantwortung einer Auswahl, weil er natürlich nicht täglich 50 bis 100 verschiedene Übungen durchführen kann. Besser wäre stattdessen ein straffes Programm aus nur etwa 3 bis 6 verschiedenen Übungen, die man alternativ in verschiedenen Varianten durchführen kann.
Daneben gibt es aber auch Bücher, in denen der Autor ständig "seine Methode" lobt, ohne dass man, abgesehen von allgemeinen Ratschlägen, wie Stress zu meiden und "sein Körpergewebe durch gesunde Ernährung zu entgiften", irgendwo in dem Buch auch nur Ansatzpunkte einer Methode finden kann.
Mein Eindruck ist, dass bei dieser Art der Literatur oft zu viel Wert auf seelisch-geistige Aspekte des Sehens und sonstiges Drumherum gelegt wird. Ganz grob geschätzt beziehen sich etwa 75% der Übungen auf dieses Drumherum, und nur etwa 25% sind echte, körperliche Augenübungen. Nach meiner Erfahrung sollte es eher andersherum sein.
Erstaunlicherweise klagen praktisch alle Autoren darüber, dass Sehtraining nicht anerkannt und von der Schulmedizin zu Unrecht ignoriert oder gar bekämpft würde. Augenärzte und Optiker würden nur an ihr Geschäft denken. Dazu ist nüchtern festzustellen, dass es doch gerade diese Art von schnell, unpräzise und widersprüchlich hingeschriebenen Büchern ist, die wesentlich dazu beiträgt, Angriffspunkte gegen das Sehtraining zu liefern und dadurch das Thema insgesamt zu diskreditieren. Und wer solche Bücher schreibt, der sollte bezüglich des Vorwurfs der Geschäftemacherei durchaus auch mal in den Spiegel schauen. Allerdings liegt mindestens ein Teil der Schuld auch bei den Verlegern und dem Büchermarkt allgemein. Bei der Suche nach einem Verlag für dieses Buch musste auch ich feststellen, welch ein Druck auf Autoren ausgeübt wird, ihre Bücher nicht unbedingt ehrlich, aber verkaufsfördernd zu schreiben. Ratschlag eines Verlages: "3 Jahre hartes Training? Das schreckt die Leser ab. Machen Sie einfach 4 Wochen leichtes Training daraus, und es wird sich prächtig verkaufen!".

Und nun zur Gegenseite, zu den Büchern von Augenärzten, Optikern und ähnlichen "anerkannten" Wissenschaftlern:
In fast allen dieser Fachbücher wird irgendwo kurz aber vehement gegen Sehtraining Stellung genommen, ohne Argumente oder oberflächlich und leicht widerlegbar. Einer dieser professoralen und doktoralen Autoren konnte es sich sogar nicht verkneifen, mit großer, fett hervorgehobener Schrift herauszuschreien: "Augen kann man nicht trainieren!" In einem anderem Kapitel berichtete er, dass Kinder manchmal zwei sehr unterschiedlich leistungsfähige Augen hätten, z. B. weil ein Auge wegen Kurzsichtigkeit kaum benutzt worden und deshalb verkümmert sei (das Kind sieht also hauptsächlich mit dem anderen Auge). In solchen Fällen sollten die Eltern das stärkere Auge abdecken und so das schwächere bevorzugt trainieren, bis es aufgeholt hätte. Wie das, wo er einige Kapitel vorher doch selbst behauptet, Augentraining sei reiner Humbug? Manchmal wird auch argumentiert, dass Sehtraining nur bei Kindern sinnvoll sei, weil deren Sehapparat noch beeinflussbar sei. Andere schreiben, das Tragen von Brillen verschlimmere keinesfalls Sehfehler, betonen aber ein paar Seiten weiter, man solle die Brille nur tragen, wenn es unbedingt notwendig ist, und dann auch immer nur die schwächstmögliche. Solche und ähnliche Widersprüche finden sich reihenweise.
Auch hier wird der Gegenseite, also den Befürwortern von Sehtraining, Geschäftemacherei vorgeworfen, was zwar zweifellos in vielen Fällen zutrifft, aber aus dem Munde von Augenärzten und Optikern doch sehr scheinheilig klingt. Denn gerade sie schneiden sich doch wohl das mit Abstand größte Stück aus dem Kuchen aller zur Behebung von Augenproblemen ausgegebenen Gelder.
Anzumerken ist, dass es natürlich auch einige wenige löbliche Ausnahmen gibt: Bücher von Augenärzten, die ernsthaft und teilweise sogar befürwortend auf das Thema Sehtraining eingehen, und selbstverständlich sind auch nicht alle Sehtrainings- oder Computerbücher als nutzlos oder unseriös zu bezeichnen. Ich selbst hatte zu Beginn meines Sehtrainings außer der vagen Erinnerung, einmal gehört zu haben, dass es so etwas wie Sehtraining geben soll, keinerlei Ahnung von der Materie. Ohne das Durcharbeiten einiger Bücher zu diesem Thema hätte ich vermutlich nie eine brauchbare Einstiegsbasis gefunden und nach wenigen Tagen aufgegeben. Dass ich sogar alle zum Thema erreichbaren Bücher verschlungen habe, also auch die "ganz schlechten", war insofern notwendig und logisch, als man ja immer erst nachher beurteilen kann, was schlecht und was brauchbar ist. Wirklich gut und voll ausreichend fand ich jedoch keines der vorhandenen Bücher. Keines enthielt mehr als etwas Basiswissen, und spätestens nach einigen Wochen Training musste ich mich allein auf Neuland vorwagen. Teils reichte das Wissen der Autoren nur für den Einstieg, teils wichen die geschilderten Erfahrungen dann immer stärker von meinen inzwischen gemachten eigenen Erfahrungen ab und wurden insofern für mich fragwürdig und nutzlos. Trotzdem möchte ich mich hiermit ausdrücklich bei allen Vorkämpfern bedanken!
Dieses Buch entstand in dem Bestreben, die eben dargelegten Schwachpunkte und Lücken der bereits existierenden Literatur zu schließen. Es sollen nur selbst tatsächlich über Monate oder Jahre hinweg praktizierte Übungen und ihre genauen Auswirkungen beschrieben werden. Dabei werde ich auch einige heilige Kühe schlachten, d. h. Übungen, die nach meiner eigenen Erfahrung nutzlos oder gar schädlich sind, werde ich auch nur kurz und mit entsprechendem Vorbehalt vorstellen, auch wenn alle anderen Autoren einige dieser Übungen bisher immer kritiklos befürwortet haben. Sehtraining ist ein so großartiges und wirksames Mittel, dass es an der Zeit ist, das Thema auf eine seriösere Basis zu stellen und weniger Ansatzpunkte für Kritik oder gar Spott zu bieten, als das leider derzeit noch oft der Fall ist.
Allerdings wird auch dieses Buch sicherlich nicht für jeden Sehtrainierenden alle Fragen und Probleme perfekt beantworten können. Denn einerseits ist die Ausgangsbasis, also das jeweilige Augen- und Sehproblem, individuell verschieden, und andererseits hat natürlich auch fast jeder unterschiedliche Vorgaben, Vorlieben oder Abneigungen für oder gegen bestimmte Trainingsweisen.

Zurück zur Hauptseite